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Gesundheitskarte / Krankenkassenkarte

Jeder hat wohl heute eine dieser elektronischen Gesundheitskarten (eGK), die den Zugang zum deutschen Gesundheitssystem gewähren. In den letzten Jahren wurde diese Chipkarte durch ein neues Modell ersetzt und jetzt ist zusätzlich ein Passbild auf die elektronischen Gesundheitskarten aufgedruckt wurden. Nun muss man auch der Krankenkasse ein Passbild zukommen lassen, wenn man eine neue elektronische Gesundheitskarte braucht. Die neuen elektronischen Gesundheitskarten sollen verhindern, dass sich jemand mit einer fremden Karte Versicherungsleistungen erschleicht, die ihm nicht zustehen. Darüber hinaus soll die eGK wichtige Daten über den Versicherten speichern. Neben den persönlichen Stammdaten werden weitere Daten abgelegt, zum Beispiel der Zahlungsstatus sowie Informationen über eingenommene Arzneimittel, aufgetretene Unverträglichkeiten und Allergien.

Vertrauliche Daten können auf dem Speicherchip verschlüsselt werden. Die Verschlüsselung lässt sich vom Patienten oder Arzt mittels PIN aufheben. Zusätzlich kann mit Hilfe der Karte die elektronische Krankenakte des Versicherten in einer zentralen Patientendatenbank abgerufen werden. Nach derzeitiger Lage soll der Versicherte selbst bestimmen, welche Daten die Karte enthält. Die Vorteile einer solchen Karte sind nicht von der Hand zu weisen, beispielsweise schnellere und bessere Behandlung des Patienten, Nachprüfbarkeit von ärztlichen Behandlungen, keine unnötigen bzw. doppelten Behandlungen.

Anfang 2005 wurde dafür die gematik Gesellschaft für Telematikanwendung der Gesundheitskarte mbH gegründet. Diese Gesellschaft soll sich um die Einführung, den Betrieb und die Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte und der Infrastruktur kümmern.

Nachdenkliches

Allerdings sollte man potenzielle Nachteile nicht außer Acht lassen. Eine zentrale Speicherung der Daten aller Patienten birgt enorme Risiken. Denn wo so viele Daten sind, sind Interessenten nicht weit, die sie für ihre Zwecke nutzen wollen. Dazu gehören neben wissenschaftlichen Institutionen ganz klar auch Versicherungen und Pharmaunternehmen. Wer soll auf Dauer garantieren, dass diese „Datengoldgräber“ die Finger von den Patienteninformationen lassen?

Mittlerweile werden diese elektronischen Krankenakten anonymisiert an Dritte weitergegeben. Aber wie gut diese Anonymisierung wirklich ist, werden wir wohl erst in einigen Jahren erfahren. Ein weiterer Nachteil der Daten auf der Karte bzw. der elektronischen Krankenakte besteht darin, dass sie Sicherheit suggerieren. Kein Arzt würde heute darauf verzichten, vor einer Bluttransfusion die Blutgruppe zu testen. Er würde das auch dann tun, wenn der Patient sie wüsste. Steht die Blutgruppe aber auf der Karte oder in der elektronischen Krankenakte, würden sich viele Ärzte in Zukunft wohl darauf verlassen – dabei weiß jeder, wie schnell Fehler in Datenbanken auftreten können.

Arbeitgeber

Für Arbeitgeber waren und sind die Gesundheitsdaten ihrer Arbeitnehmer sehr interessant. Bald sind die Gesundheitsdaten aller Arbeitnehmer in der zentralen Patientendatenbank gespeichert und jeder Arzt hat mit der elektronischen Gesundheitskarte des Arbeitnehmers (Versicherten) Zugang zur Krankenakte. Der Arbeitgeber könnte dann sagen: Wenn du den Job willst, musst du meinem Arzt des Vertrauens Zugang zu deiner Krankenakte gewähren.

Auch sollte man vorsichtig sein, wenn der Betriebsarzt die elektronische Gesundheitskarte nutzen möchte – Betriebsärzte sind nicht unbedingt unabhängig vom Arbeitgeber.